Data Wrangling in Kolumbien

Data Wrangling in Kolumbien

Sebastian Greiner Technik 0 Comments

Wenn man an Kolumbien denkt, dürften den meisten Menschen Kokain, Pablo Escobar, das Medellin-Kartell und vielleicht die Rebellen der FARC in den Sinn kommen. Zuletzt war die Serie Narcos ein Hit auf Netflix, was sicher nicht zu einer Verbesserung des Bilds Kolumbiens in der Welt beigetragen haben dürfte. Der berühmteste aller Drogenbosse, Pablo Escobar, wurde 1993 erschossen. Seitdem hat sich in Kolumbien vieles getan. Die Drogenproduktion ist massiv zurückgegangen, Gewaltdelikte ebenso. Viel Geld ist in den letzten 20 Jahren in die Verbesserung der Infrastruktur geflossen. Gerade in der ehemaligen „Drogenhauptstadt“ Medellin wurde sehr viel investiert, unter Anderem ein modernes Metro-Netz ausgebaut, welches auch die ärmeren Viertel der Stadt mit dem Stadtzentrum verbindet.

Die „Filarmónica Joven de Colombia“, das kolumbianische Jugendorchester, trägt seinen Teil zum Imagewechsel des Landes bei. Die Musiker, welche zum Teil in großen klassischen Orchestern rund um den Globus spielen und auch gemeinsam schon viele internationale Auftritte bestritten haben, gaben am 11. Mai in Medellin ein Konzert, welches von einem deutschen Filmteam aufgezeichnet wurde. Unter der Leitung des international renommierten kolumbianischen Dirigenten Andrés Orozco Estrada wurden Stravinskis „Le sacre du printemps” und „Sinfonie Nr. 5 e-Moll op. 64“ von Tschaikowski aufgeführt. Mehrere Wochen hat das Orchester hart geprobt und für das Stravinski-Stück eine umfangreiche Choreographie ausgearbeitet, welche die Musik untermalt. Die fertig geschnittene Aufzeichnung wird für die Öffentlichkeitsarbeit und Vermarktung der „Filarmónica“ genutzt werden.

In der Bildregie mit Mathias, Matthias und Francisco.

In der Bildregie mit Mathias, Matthias und Francisco.

An der Produktion war auch Livestream.watch beteiligt: Sebastian Greiner war vor Ort für die Datensicherung der Aufzeichungen aller fünf Kameras zuständig. Als sogenannter „Data Wrangler“ musste er dafür sorgen, dass die Kameraleute am Set immer Speicherplatz zur Aufzeichnung in ihren Sony FS7 hatten und sicherstellen, dass wirklich alle Daten weggespeichert werden. Alle XQD-Speicherkarten, die an die Kameras ausgeliefert wurden, waren entsprechend durchnummeriert und beschriftet. Rotes Lassoband markierte die Karten, welche bespielt und zum Backup bereit waren.

Die Daten wurden auf vier Festplatten parallel weggesichert. Hierfür kam Shotput Pro 5 zum Einsatz, eines der meistgenutzten Tools für solche „Offloading“-Einsätze. Shotput kopiert Datenträger vollständig auf mehrere Backup-Medien und erstellt im Anschluss Hashwerte aller Dateien, um sicherzustellen, dass wirklich Bit für Bit exakt der Inhalt der Quelldatenträgers kopiert wurde. Umfangreiche Log-Dateien stehen im Anschluss des Kopiervorgangs zur Verfügung und dienen der Absicherung des „Data Wranglers“, aber auch der gesamten Produktion als Nachweis, dass wirklich alles kopiert wurde.

Der Arbeitsplatz des „Data-Wranglers“

Der Arbeitsplatz des „Data-Wranglers“

Shotput Pro kümmert sich ausschließlich um die sichere Kopie der Datenträger. Eine Kontrolle der Daten, die kopiert wurden, ist hiermit nicht zu realisieren. Für diesen Zweck kam das Tool Kyno des Darmstädter Unternehmens Lesspain Software zum Einsatz.

Kyno ist ein umfangreiches Videotool welches sich zum Beispiel zur Materialsichtung vor dem eigentlichen Schnitt eignet und über die „Drilldown”-Funktion sehr schnell Datenträger inklusive Unterordnern nach Videodateien durchsucht. Die Clips können dann im integrierten Player angezeigt werden, es können Schnittmarken gesetzt werden und Dateien direkt an Final Cut Pro X oder Adobe Premiere gesendet werden. Für die Arbeit in Medellin vor Ort bot Kyno eine nahezu ruckfreie Voransicht der in 4K-Auflösung gedrehten MXF-Dateien und somit eine gute Kontrolle des angelieferten Ausgangsmaterials. Die Möglichkeit einen Widescreen-Balken über das Material legen zu können, um zu sehen, wie die Aufzeichnung im finalen Zustand wirkt, war ebenfalls hilfreich.

Kyno ist aktuell noch in der Betaphase, arbeitet aber sehr stabil und schnell. Wer sich selbst ein Bild machen möchte, kann aktuell kostenfrei die öffentliche Betaversion von Kyno ausprobieren.

Die Musiker der „Filarmónica Joven de Colombia“ waren mit Herzblut in diesem Projekt engagiert. Es wurden sehr schöne Aufnahmen eingefangen, die ein großartiges Endprodukt erwarten lassen, welches zukünftig dazu beiträgt ein positives Bild des heutigen Kolumbiens zu vermitteln. Livestream.watch ist stolz darauf, einen Teil zu dieser Produktion beigetragen zu haben.

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