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1 Jahr Corona: Wir als Livestream-Anbieter im Ausnahmezustand

Lesezeit: 6 Minuten 

Rund ein Jahr ist es her, dass sich in Bayern der erste Deutsche mit dem Coronavirus infiziert hat. 

Wohin die Reise gehen und welches Ausmaß sie annehmen würde, war zu diesem Zeitpunkt noch völlig unklar. Nun blicken wir zurück auf bereits ein Jahr Corona. Unsere Auftragslage glich dem Auf und Ab einer Achterbahn. Ein Jahr im völligen Ausnahmezustand!  

Gewinner und Verlierer der Pandemie 

2.808.873 Menschen haben sich seither in Deutschland mit dem Virus angesteckt (Stand 31. März 2021, 0:00 Uhr, RKI). Die Corona-Pandemie brachte ganz Deutschland mit seinen BewohnerInnen und deren Wirtschaft stark ins Wanken. Während Restaurants, Clubs, Hotels und EinzelhändlerInnen bis heute ums Überleben kämpfen und es für manche vielleicht schon zu spät ist, konnten andere Wirtschaftszweige durch die Veränderungen unerwarteterweise großen Profit erzielen – wie zum Beispiel die Deutsche Post oder Amazon.  

Von 100 auf 0 – durch Corona von heute auf morgen zum völligen Projektstillstand  

Auch an uns gingen die wirtschaftlichen Folgen nicht spurlos vorbei: Anfang 2020 waren wir noch nahtlos ausgebucht und hatten gerade unseren ersten festen Mitarbeiter Martin Arnest-Probst eingestellt. Doch mit Einbrechen der ersten Corona-Welle Mitte März schwammen plötzlich innerhalb von 7 Tagen nahezu 100% unserer Aufträge weg. Events, welche wir livestreamen sollten, durften nicht mehr stattfinden und auch bereits geplante Drehtermine für Filmproduktionen wurden abgesagt.  

Es war, als würde jemand von jetzt auf gleich den Pauseknopf drücken – nur waren es diesmal nicht wir, die am Record-Button saßen. Die Ungewissheit wurde groß. Panik breitete sich aus. Würde sich die Lage nicht bald wieder ändern, hätten wir als Firma noch 10 Wochen überleben können. 

Von 0 auf 200 – durch die rasant steigende Nachfrage von digitalen Events zum Firmenwachstum 

Doch nach dem ersten Einbruch gab es für uns einen bemerkbaren Umschwung und wir wurden positiv überrascht.  

Wenn man sich schon nicht mehr „offline” treffen konnte, dann eben „online”. Nach einer kurzen Orientierungsphase boomte die Nachfrage nach digitalen Events. Wir wurden mit Anfragen überschüttet und haben so viele Angebote geschrieben, wie noch nie zuvor. Doch mit jedem Tag Verlängerung der Maßnahmen wurde auch das Zögern, Geld in die Hand zu nehmen, spürbar größer  –  so trudelten nach und nach auch die Absagen dieser Projekte wieder ein. 

Dennoch erfuhr die Digitalisierung mit der Ausbreitung des Corona-Virus weltweit einen unerwarteten Entwicklungsschub und es gab mit der Zeit zunehmend mehr KundInnen, die Pionierarbeit leisteten und in neue Formate investierten.  

So entwickelten auch wir als Unternehmen uns in dieser Zeit rasant: Wurden wir früher für analoge Events hauptsächlich als technischer Livestream-Dienstleister dazu gebucht – initiieren wir heute digitale Events und bringen dafür Menschen aus aller Welt per Liveschaltung zusammen. Das ist der neue Standard.  

Unsere Aufgaben sind dadurch vielfältig gewachsen, über den reinen Livestream hinaus produzieren wir nun im Vorfeld Event-Einspieler, nehmen vorab Interviews auf und bieten zusätzlich Filmproduktionen in unserem eigenen Green-Screen-Studio an. Mittlerweile übernehmen wir auch die Programmgestaltung, Ablaufregie und Aufnahmeleitung von Events. Richten Anmelde- oder Ticketverkaufssysteme ein, übernehmen teilweise sogar die Location-Suche, kümmern uns um das Catering und gestalten auch gerne das Bühnenbild. Die Liste ließe sich sicher noch lang fortführen. Kurz: Wir mutieren zu einer Full-Service-Agentur. 

Livestream-Produktion im Fernsehstudio

KundInnen die gemeinsam mit uns Neues wagen 

Der allererste Auftrag in der “New normal”-Zeit kam nach all den Absagen vom Museum für Kommunikation in Frankfurt: Die schon vor der Pandemie geplante Ausstellung #neuland: Ich, wir und die Digitalisierung hätte wirklich nicht aktueller sein können. So machte sie ihrem Titel Corona-bedingt alle Ehre und wurde auf Grund der Infektionsschutzmaßnahmen in analoger Form abgesagt und von uns für das Internet verfilmt und bereitgestellt.  

Das digitale Angebot wurde gut angenommen und so folgte die Aufgabe, auch den DebattenDienstag des Museums für Kommunikation als ein rein virtuelles Event zu gestalten. Der Debatten-Dienstag ist als sogenannter Fishbowl-Diskussionskreis aufgebaut, für uns fachlich als auch filmisch eine spannende Aufgabe. Es lief wortwörtlich alles rund. 

Auch unser langjähriger Kunde pme Familienservice wagte zeitnah den Umstieg von einem analogen Event zu einem reinen virtuellen Event. Im Auftrag von mehr als 900 ArbeitgeberInnen unterstützt die pme Familienservice Gruppe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter darin, eine gesunde Work-Life-Balance zu kultivieren. Passend zur aktuellen Situation durften wir zum Thema „Management in der Corona-Krise“ fünf SpeakerInnen und eine Podiumsdiskussion für pmelive ins Netz übertragen. 

Ebenfalls in die ganze Welt hinaus streamen wollte auch die Wirtschafts- und Finanzzeitung Handelsblatt. Für ihre Vortrags- und Diskussionsveranstaltung zum Thema Corona haben wir in Düsseldorf ein temporäres Filmstudio aufgebaut. Um auch bei den Zuschaltungen der SpeakerInnen beste Studioqualität zu gewährleisten, schickten wir ihnen vorab eingerichtete Laptops und hochwertige Webcams. 

Es waren diese ersten drei Kunden, die uns in dieser ungewissen Zeit Hoffnung gaben und gemeinsam mit uns in ein neues Marktsegment vorstießen.  

Ein weiteres Highlight des letzten Jahres war unter anderem die mittlerweile langfristige Kundenbeziehung zu unserem Neukunden Payment & Banking, welche sich mit der vierten Banking Exchange aufbaute. Die Banking Exchange wurde von uns erstmalig als reine Digitalkonferenz umgesetzt und live übertragen. Zwei Tage gelebte Digitalisierung. Vom einem im 25 Hours-Hotel aufgebauten Filmstudio aus, sendeten wir Impulsvorträge rund um das Thema Finanztechnologie von 37 SpeakerInnen in die ganze Welt hinaus. Wichtiger Bestandteil und große Herausforderung zugleich war das flüssige Zusammenspiel zwischen den Ansprachen vor Ort aus dem Studio mit den interessanten Vorträgen der live zugeschalteten ReferentInnen. Mittlerweile haben wir einige Produktionen mit Payment & Banking umgesetzt und freuen uns auf alle noch ausstehenden.  

Auch InfectoPharm konnten wir im vergangen Jahr als neuen Großkunden begrüßen und setzen seither mit ihnen digitale Konferenzen zu verschiedenen medizinischen Themen und digitale Fortbildungen für ÄrztInnen um. Für diese ein- bis mehrtägigen Kongresse zeichnen wir im Vorfeld Fachvorträge gemeinsam mit den wissenschaftlichen ExpertInnen vor Ort auf. Der Kunde ist begeistert davon, dass er sein Angebot im Internet nun wesentlich mehr Menschen unterbreiten kann, als einst einer durch die Location begrenzten Teilnehmerzahl. Auch die interne Mitarbeiterversammlung des konzernunabhängigen Familienunternehmens wurde von uns digital umgesetzt. 

Martin und Yvonne sitzen im Oper to Go-Bühnenbild nach den Dreharbeiten

In Zeiten von Isolation haben wir die Menschen digital zusammengebracht 

Während der Großteil der Bevölkerung dazu angehalten war, sich zurückzuziehen und das Haus nicht zu verlassen – waren wir draußen auf den (Geister-)Straßen unterwegs und haben fleißig digitale Infrastrukturen gebaut, um die isolierten Menschen, Projekte und Vorhaben digital zusammen zu bringen.  

Um das Auftragsvolumen weiter abdecken zu können, mussten wir wachsen und dürfen jetzt Daniel Lindner als neuen Vollzeitkollegen in unserem Team willkommen heißen. Auch ich, Gloria Kison, die ich gerade diesen Blogbeitrag für euch verfasse, zähle nun zum festen Bestandteil von Livestream.watch.  

Für das Fortlaufen der globalen Wirtschaft haben wir in einem Jahr Corona mittlerweile ca. 33 verschiedene Nationen digital mit einander vernetzt, sind über 100-mal live auf Sendung gegangen, haben über 200 ReferentInnen per Schaltung in unsere Events geholt und insgesamt 90 Filmbeiträge produziert.  

Man könnte meinen, dass wir nach einem 100%igen Projekteinbruch, als einer der wenigen Profiteure dieser Corona-Krise, wie ein Phönix aus der Asche wieder aufgestiegen sind. Unsere Lernkurve ging steil nach oben – darüber sind wir sehr erfreut und möchten uns an der Stelle auch bei all unseren KundInnen und PartnerInnen für ihr Vertrauen und die produktive Zusammenarbeit bedanken.  

Die Ungewissheit bleibt 

Trotzdem sticht in diesen Zeiten nach wie vor eine Stimme besonders deutlich heraus: Die Ungewissheit. Bleiben wir bei diesem vielen Menschenkontakt gesund? Wie ergeht es dem Rest der Wirtschaft? Können wir in der Mittagspause je wieder zum Italiener um die Ecke gehen?   

Wir alle können nur eines tun: Hoffen, dass durch die weltweiten Impfungen bald ein Ende in Sicht ist und die Menschen bis dahin weiterhin Abstand halten, damit wir uns in naher Zukunft nicht nur noch online sehen können. 

Als größter Gewinner der durch die Corona-Krise angestoßenen, vielen digitalen Events geht allerdings ganz klar hervor: das Klima! Seid gespannt auf den nächsten Blogbeitrag, da rechnen wir euch diese unglaublichen Dimensionen einmal vor.